Vom Farbcode #E49D33, Höhlenmalerei und goldenen Blattwerk.
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«*
Quelle: Anna-Lena Meyer
Es ist September geworden und die Vorboten des Herbstes machen sich langsam auch in der Natur breit. Die letzten Steinfrüchte werden noch im Alten Land geerntet und die Apfelernte geht nun in die heiße Phase. Die Kürbisse reifen in den Gärten und die Blätter verfärben sich langsam. Im Gegensatz zum Indian Summer in Nordamerika haben wir hier den goldenen Herbst.
Intensive Rottöne sucht man bei unseren heimischen Arten im Herbst vergeblich. Ausnahmen wie Pfaffenhütchen, Spitzahorn und Eberesche bestätigen natürlich die Regel. Trotz zahlreicher eingeführter und gärtnerisch etablierter Arten, leuchtet uns der Herbst noch immer zumeist gelb entgegen. Wer schon mal durch den norddeutschen Laubwald im Herbst gelaufen oder gefahren ist, weiß genau, wovon ich rede. An einem sonnigen Herbsttag kann man auf Grund der leuchtenden Blätter fast die Sonnenbrille wieder rausholen.
Dieses gar mystische Gelb erinnert mich immer an die erste Farbe, die jemals für Malerei genutzt wurde: Ocker.
Ockertöne sind Erdfarben - genauer: Gemische aus 5 – 20% Brauneisenstein mit Tonmineralen, Quarz und Kalk.
Ocker tritt bereits im Middle Stone Age Südafrikas als Farbstoff zur Dekoration von Schmuckschnecken oder als Körperschmuck auf, auch als Komplettbemalung z. B. bei den nordamerikanischen Beothuk-Indianern. In der Höhlenmalerei des europäischen Jungpaläolithikums wurde Ocker gleichfalls verwendet.**
Man kann heute Pigmente in diversen Ockerfarben, Sorten oder Nuancen aus unterschiedlichen Regionen bekommen. Die drei typischen Grundfarben, auf denen dann die verschiedenen Töne, Sorten und Nuancen aufbauen sind Ockergelb, -rot und -braun.
Der Ockerton, der mich allerdings am stärksten an den Herbst erinnert, liegt irgendwo zwischen Ockergelb und Ockergold. Es ist ein wunderschönes warmes und angenehmes dunkleres Gelb, was nicht nur in der Malerei als Pigment gerne genutzt wird, sondern auch klassisch als Ocker in der Einrichtungswelt seinen Platz gefunden hat.
Quelle: Wikipedia / Ockerfelsen bei Roussillon, Frankreich
Ocker ist ein Gelb, das wortwörtlich etwas geerdeter ist als seine gelben Nachbarn in der Farbpalette. Während das klassische Goldgelb (siehe Blogeintrag vom Frühling 2025) das Licht eher einfängt und mit seiner Strahlkraft animiert, scheint Ocker die Wärme der Erde zu bewahren und wirkt dadurch geradezu beruhigend. Das führt dazu, dass man mit Ocker eher Attribute wie Geborgenheit, Natürlichkeit oder Behaglichkeit assoziiert. Es passt somit ganz wunderbar in ein herbstliches Dekor, allerdings sollte man die Wirkung dieser Farbe für den Rest des Jahres nicht unterschätzen.
Je nach Begleiter verändert Ocker seinen Charakter ein wenig: Mit Rost, Braun und Oliv wird er noch erdiger und behaglicher, mit einem dunklem Rot wirkt er tief und üppig. Blau und Violett lassen Ocker leuchten und verleihen ihm Spannung, während Rosa seine warme Erdigkeit überraschend weich und modern wirken lässt.
Ocker kann in der Einrichtung fast alles und darf durchaus großflächig eingesetzt werden.
Quelle: Annie Sloan - Buch: Colors
Wer nun animiert ist, sich Ocker ins Haus zu holen, sollte überlegen, ob der Einsatz als Wandfarbe nicht eine gute Idee wäre. Wenn man eh gerne saisonal umdekoriert, kann man die Wirkung je nach Saison-Begleitfarben entsprechend anpassen.
Wer im Kleinen starten möchte, sollte jetzt im Herbst für den Rest des Jahres aufstocken, denn Ocker findet man zur Zeit an jeder Ecke - sogar oder vor allem in der Natur.
Viel Spaß beim Blättersammeln und dem Pflanzen von Chrysanthemen.
Wenn Sie generell gerne mehr lesen wollen: Alle 3 Monate schreibe ich hier zu Themen wie Design, Saisonfarben oder eben auch über Pigmentgewinnung und norddeutsche Laubwälder.
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* Aus: „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane
** Journal of Archaeological Science 2010